Stoppuhr auf Tisch stehend

Kennen Sie dieses Meeting? Der Projektleiter wirft einen Slide an die Wand. Fortschritt: 80 %. Das Budget ist zu drei Vierteln verbraucht, aber alle sind entspannt. Die Benutzeroberfläche steht, die Datenbank läuft, die Demos sehen gut aus.

Das ist der gefährlichste Moment in Ihrem Projekt.

In der Softwareentwicklung sind die ersten 80 Prozent oft Fleißarbeit. Das sind Standardkomponenten, die man schnell zusammenbauen kann. Die wirkliche Komplexität lauert im Rest: Die Businesslogik, die seltsamen Ausnahmen im Altdatensystem, die Sicherheitsarchitektur. Diese „restlichen 20 Prozent“ fressen in der Realität 80 Prozent der Zeit.

Wenn mir ein Dienstleister lineare Fortschrittsbalken zeigt, weiß ich sofort: Hier lügt sich jemand in die Tasche. Ein Projekt ist nicht fertig, wenn die Masken schön aussehen. Es ist fertig, wenn die hässlichen, komplizierten Prozesse im Hintergrund fehlerfrei laufen.

Mein Job ist es, genau diese Illusion zu zerstören, bevor das böse Erwachen kommt. Ich schaue nicht auf die bunten Slides. Ich lasse mir zeigen, was wirklich funktioniert. Meistens stell ich dann fest: Wir sind nicht bei 80 Prozent, sondern eher bei 30. Das tut weh. Aber besser jetzt, als wenn das Geld komplett weg ist.